Patrick Wolf Lycanthropy

1.Prelude / 2.Wolf Song / 3.Bloodbeat / 4.To The Lighthouse / 5.Pigeon Song / 6.Don't Say No / 7.The Childcatcher / 8.Demolition / 9.London / 10.Paris / 11.Peter Pan / 12.A Boy Like Me / 13.Lycanthropy / 14.Epilogue

Begeistert vom grandiosen "Wind In The Wires"-Album, dessen Vorgänger mir bisher verschlossen blieb, war meine Spannung auf das Debut des Ausnahmekünstlers natürlich unerträglich. Das ich letzten Endes genau das bekam, was ich erwartet habe, macht mich endgültig zum Patrick Wolf-Fan, aber lest selbst.
Mit einem Intro, einer Prelude, werden wir vorbereitet, auf das was kommt. Wolfsgeheule, Akkordeonklänge, düstere Stimmung macht sich breit, langsames Flötenspiel. Ein Tuch aus Melancholie und Schönheit bettet sich über den Kopf des Zuhörers und lässt nur erahnen, was folgt. Plötzlich stoppt die Overture, und wir sind mitten in Patrick's vielleicht bestem Song - der "Wolf Song" himself. Musikalischer Hochgenuss und gesangliche Eigenart vom Feinsten. Hier legen sich Zeilen wie "us wolves were right behind you and lucifer will never find you - oh no!" wie eine zweite Haut auf die von Geigenspiel und Flöte geebnete Melodie. Da wird auch schon mal ein Wort wie "best" zu "be-he-hee-est" und Zeilen mitten im einsilbigen Wort getrennt, was zu astreiner Klangakrobatik führt. Das muss man genießen, 3:28 Minuten lang.
Okay, Lycanthropy bedeutet "Verwandlung zum Wolf", wir wissen Bescheid. Dieses Album hat ein Tier in Menschengestalt aufgenommen. Das trotz alledem jede Menge humane Substanz und Gespür für Moderne im genialen Kopf des Jungen Patrick's steckt, zeigt spätestens der zweite Track "Bloodbeat", der ausschließlich mit Elektro-Rhythmen in Richtung Dance glänzen kann, und trotzdem nicht in affige Discomusik abrutscht.
Nun haben wir aber einen krassen Kontrast gesetzt ... der altertümliche Wolf Song und das Popschmankerl Bloodbeat. Im Folgenden erwarten uns allerhand brillante Songs, die genau diese zwei Elemente gekonnt vereinen und eine ungewöhnlich neue Musik-Formation erschaffen. Spätestens beim wunderschönen "To The Lighthouse" muss man alle Gedanken drumherum abstellen, und sich auf den Sound konzentrieren, ähnlich wie bei "Paris", das dich mit schleppendem, krachendem Beat und lieblichen Geigen hypnotisiert. Zwischendurch wird's auch mal ganz ruhig und traurig, "Pigeon Song", "Demolition" oder das auf Gitarre und Gesang reduzierte "Peter Pan" kommen fast ohne Computer-Gespiele zurecht und vertrauen ganz auf ihre eigene Atmosphäre.
Das bei all der Schönheit ein Song wie "The Childcatcher" besonders heraussticht, bleibt nicht verwunderlich. Inmitten von 13 bezaubernden Liedern wird Wolf in Track Sieben zum Horrormärchen-Erzähler, und er schockt und schockt und schockt. Der extrem harte und laute Computerbeat wird von Atari-Gedudel unterstrichen und mit Passagen wie "run run run as fast as you can but you cant run run from the childcatchers hands" besungen. Das geht mitten ins Hirn. Dort nach zwei Minuten eine Pause zu machen, komplett zu verstummen, und doppelt und dreifach wieder reinzuschlagen kann nur als Geniestreich des Künstlers bezeichnet werden. Brillant!
Zum Glück dürfen wir uns danach wieder von schöneren Themen berichten lassen, denn, im Gegensatz zum Nachfolger Wind In The Wires, wo man sich fast komplett auf Natur spezialisiert hat, spricht man auf Lycanthropy von vielen Dingen, die bewegen und beschäftigen. Eines fällt jedoch immer auf, und zieht sich quer durch die Platte - der leichte Hauch von Krankheit und Psychose. Normal ist hier garnichts.
Zu guter Letzt verlässt uns der einsame Londoner nach seiner Bleibe-Du-Selbst-Hymne "A Boy Like Me" in einem klassischem, von Violine und Ukulele regiertem Outro, was das Album zu einem Gesamtwerk abrundet, das keiner so schnell vergisst.
Für mich persönlich stellt Lycanthropy ein spannenderes und interessanteres Album dar als sein Nachzügler. Die Perfektion und Zusammengehörigkeit der Wind In The Wires-Songs findet man auf dem 2003' Debut allerdings nicht, und Gehörfestigkeit wird hier und da auch verlangt.
Im Endeffekt ist diese Platte genau das, was ich wollte ... ein interessanter, abgedrehter Mix aus allen Elementen, die ich an Patrick Wolf so liebe. Kaufen, und zwar ganz schnell!

Offizielle Homepage:
www.patrickwolf.com
Hörproben:
BLOODBEAT live // Videos und Songs im Streaming


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