
yourcodenameis:milo Ignoto
1.I Am Connecting Flight /
2.17 /
3.Titan Grip /
4.Rapt. Dept. /
5.Schteeve /
6.Team Radar /
7.Fivefour /
8.Yesterday's Head /
9.Empty Feat /
10.2-Stone /
11.The General /
12.Audition / Unfinished Drawings of Cats
Nachdem ich die 2004' EP "All Roads To Fault" zur besten Veröffentlichungen des letzten Jahres erklärt habe, war zu erwarten, dass mein Empfinden für Vorfreude und Spannung bis zum Limit ausgereizt wird, in Hinsicht auf das große Debutalbum meiner definitiven Lieblingskapelle YOURCODENAMEIS:MILO. Manchester, England.
Inzwischen ist es Juni, und die Ignoto thront hübsch justiert über ( ! ) allen anderen Scheiben an der Wand. Der Silberling wird in Audio-DVD Case mit abgerundeten Ecken veröffentlich, das Design beschränkt sich auf Hochglanzfotographien des Edelkünstlers Storm. Die Optik? Gewöhnungsbedürftig. Hm. Gewöhnungsbedürftig. Ein schönes Wort in Betracht auf die Jungs, die hinter der mysteriösen Fassade stecken. Nicht wenige haben "All Roads To Fault" damals als brachialen Klangmatsch abgetan und die Platte ganz schnell wieder bei eBay vertickt. Wie steht's um das erste, wirkliche Album?
"I Am Connecting Flight!" schreit uns da ein Hochtöner in den ersten Sekunden der Ignoto entgegen. Paul Mullen, der Mann, der den Spagat zwischen Gesangsakrobat und Schreihals am aller allerschönsten hinbekommt. Der erste Track rüttelt uns wach, haut uns die gewaltige Wucht von drei Gitarren und einem brummenden Bass direkt ins Ohr, bis es blutet. Markante Verse fliegen uns um den Schädel, nicht einmal, nicht zweimal, hier singen zehn kleine Sängerknaben um ihr Leben. Die Mehrstimmigkeit des Gesangs reiht sich in ein Gewitter aus Saiten und harten Drumschlägen, um dort das große Feuerwerk zu entzünden. Während die vorderen zehntausend Reihen noch am Schreien und Wummern sind, flüstert man uns von hinten leise wunderschöne Melodien ins Ohr. Wenn der CD-Player auf 2 switcht, bleibt ein Satz übrig: I Am Connecting Flight ist eine Oper.
Ein wenig zugänglicher, fast schon poppig, geht es mit der aktuellen Single "17" weiter, bevor man uns das chaotische "Titan Grip" vor die Linse hält. Einfache Musik ist das nicht, und eingängig wirkt das alles auf den ersten Lausch auch nicht. Aber wartet's ab, ich hoffe ihr wisst, was man einen "Grower" nennt.
Spätestens bei Track 4 läuft der Schweiß von der Stirn. "Rapt Dept" kommt mit Marsch-Takt daher, wirkt agressiv, bombastisch und darf trotzdem - oder gerade deswegen - einen wunderschönen, melodiösen Refrain vorzeigen, der das Gehör einnebelt und bezaubert, auf ganzer Linie. Die letzte Minute des Songs bezeichne ich nach wie vor als eine der wunderschönsten Momente der Musikgeschichte.
Die Mitte des Albums kommt ruhig, melancholisch und selbstredend chaotisch daher. Während "Team Radar" von der ersten bis zur letzten Sekunde mit beruhigendem Wohlklang berauscht, wechselt sich "Fivefour" als gelungene Fortsetzung des 2004' "Fourthree" mit einem knallharten, treibenden Refrain ab. Sagte ich Refrain? Vergesst das Wort.
Was dann kommt lässt zunächst fragende Gesichter zurück. "Yesterday's Head" vermittelt dank rauschendem, knarzendem Geräuschteppich das wohlbekannte Gefühl vom Kopfschmerz, während sich darunter die wahrscheinlich genialste Melodie des Albums verbirgt. Am Mikrofon nach wie vor geballte Emotionen, "I've never walked sooo faaaaaaar!".
Gegen Ende erleben wir mit "Empty Feat" oder "The General" noch einmal ein paar richtige Hit-Verdächtige, Erstgenannter ist sogar als eingänig, ja fast schon als massentauglich zu bezeichnen. Dennoch fehlt keinem der Stücke die Genialität und Struktur, die diese Band auszeichnet.
Mit "Audition", einem hypnotisch-verworrenem, ruhigem und wohlgemerkt umwerfendem Track, geht die Platte, und hinterlässt ein Schlachtfeld der Gedanken. Phrasen, die uns nicht mehr aus dem Kopf wollen, Gesangslinien, die wir nie wieder vergessen zu scheinen.
Wenn Ignoto eines braucht, dann ist es Zeit. Wer sich in die Monster auf diesem Album verlieben will, muss sie wachsen lassen. Das nennt man einen Grower.
Durchkonstruiertes Chaos ist das, und zwar in Gold. Dass das nicht mit "experimenteller Screamo" abzutun ist, steht sowieso fest. Ob man das überhaupt irgendwo einordnen kann, bleibt fraglich. Sagen wir es mal so ... wenn Muse und Can durch widerliche Klonprozesse miteinander verschmolzen werden, dürfte man derartigen Sound erwarten.
Im Grunde genommen sollte man verbieten, überhaupt Wörter für diese Band zu finden. "The angels would look down, but you're too fucking tall."
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Persönliche Highlights:
Yesterday's Head, Rapt Dept, Empty Feat, The General
Offizielle Homepage:
www.yourcodenameismilo.com
Hörproben:
ycni:milo Myspace Profil mit der Ignoto-Single "Seventeen" und dem Klassiker "All Roads To Fault" zum streamen.
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