
Bright Eyes Letting Off The Happiness
1. If winter ends / 2. Padraic my prince /
3. Contrast & compare /
4. The city has sex /
5. The difference in the shades / 6. Touch /
7. June on the west coast /
8. Pull my hair /
9. A poetic retelling of an unfortunate seduction /
10. Tereza & Thomas
Ein dumpfes Fiepen. Spielplatzgeräusche. Dann Tarnkappenbomber. Störungen. Bomben. Kinder. Gitarre... Wer zur Hölle macht denn sowas? Conor Oberst! Der macht sowas! Dieser junge Bursche aus Nebraska, mit dem unfassbar weltbewegendem Hundeblick im Gesicht, dessen Kunst uns besser als "Bright Eyes" ein Begriff ist. Wer sonst führt uns auch mit einem derart grausigen Sound-Gestümmel in eine der wundervollsten Songwriter-Platten jenseits des Ozeans ein? Das Knarzen der Motoren erlischt gerade leise im Fade-Out, als Oberst mit seiner Western-Gitarre losschrammelt. Abgesehen davon, dass man sich durch die merkwürdig amateur-hafte Aufnahme fühlt, als würde der Meister persönlich neben uns auf dem Hocker sitzen und spielen, darf man sich getrost von der unfehlbar wundervollen Melodie des Openers "If Winter Ends" umfliegen lassen. Aber gerade, als wir uns an den sanften Schmeichelgesang gewöhnen, platzt aus der Romantiknudel plötzlich ein verzweifelter Teenager aus, der uns sein Elend ins Gesicht schleudert. Dass dabei der Tonpegel kurzzeitig übersteuert, stört seltsamerweise absolut nicht. Im Gegenteil. Plötzlich zucken die Ohren, man wird hellhörig - man lauscht den Geschichten des Sängers. Dann stellt man überrascht fest ... "wow!" Eine letzte Audio-Störung im Kriesel-Stil, der Herr schnaubt noch mal ins Mikrofon und der Track ist vorbei.
"Mehr!" schreit das Herz, und Bright Eyes liefert mehr. Die folgenden neun Tracks werden dich durch die vier Jahreszeiten eines Conor Oberst schleifen, du wirst dabei sein, mitfühlen und vielleicht sogar mal ganz kurz die Augen schließen. Wenn er dann die leisesten, melancholischsten Klänge mit einem klagendem Schreien unterbricht, lass dich nicht aus dem Konzept bringen. Denn gerade das ist es, was Bright Eyes ausmacht. Organisiertes Chaos inmitten der Schönheit der Musik. Das Songwriter-Flair ist immernoch da, und stets hat man den Burschen mit seiner Gitarre in der Berghütte vor Augen. Wenn der Bursche dann aber von seinem Stühlchen aufspringt, die Gitarre zertrümmert und unter Emotionsausbrüchen seine Zeilen singt - dann weißt du Bescheid. Das hier ist verdammt genialer Stoff für den Gehörgang.
Durchhänger? Keine, solange man sich offen für die Musik und den Text gibt. Akkustikgitarre bis zum Abwinken, Folk-Song-Düdeleien hier und da, überall blitzen unkontrollierte Gefühle durch die Platte, überraschende Abwechslungen (huch, eine Frauenstimme?) und eine gehörige Prise Hyperkreativität (oder auch eine Prise Koks?) machen "Letting Off The Happiness" zu einer Songwriter-Platte, die sich abhebt. Hierfür muss sich kein Rock'n'Roll Bastard schämen, die darf selbst der Metaler im Plattenschrank haben.
Krank, aber wunderschön.
Gefällt dir bestimmt, wenn du auf Rilo Kiley, Adam Green oder sogar Ryan Adams stehst.
Offizielle Homepage des Plattenlabels "Saddle Creek" mit Bright Eyes als Vorreiter:
http://www.saddle-creek.com/
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